Seit einigen Jahren nun bewegt der eklatante Lehrermangel unser einstiges Bildungsland Nordrhein-Westfalen. Knapp 7.100 Stellen sind nach den aktuellen Presse- und Ministeriumsmeldungen unbesetzt. Die aktuelle schwarz-grüne Landesregierung äußert sich jedoch lediglich unkonkret über Maßnahmenpakete oder Lösungswegen, mehr Lehrer in den Beruf zu bringen, Studienanwärter anzuwerben, Teilzeitkräfte zu Vollzeitstellen zu motivieren oder gar existierende Lehrer durch gute Schulpolitik, sinnvolle Vergütung und attraktive Arbeitsverhältnisse im Beruf zu behalten. Stattdessen verschärft sich die Lage immer weiter, und die Frau Ministerin vertröstet stets mit dem „Handlungskonzept Unterrichtsversorgung“ und verweist auf stetige Evaluation und Verbesserung der Konzepte.

Der Lehrkräftetrichter skizziert die Problemlage einer Mangelrückkopplung sowie der horrenden Mangelverwaltung sehr gut, jedoch gibt auch er wenig Auskunft über die fachspezifisch unterschiedlichen Mangelgründe. Dass beispielsweise eine andere Mangellage im MINT-Bereich als zum Beispiel in Deutsch und Geschichte vorliegt, muss genauer betrachtet werden, da unterschiedliche Probleme auch unterschiedliche Lösungsansätze benötigen. Des Weiteren kommen besonders in naturwissenschaftlichen Studiengängen, aber auch bei Berufsschullehrern wirtschaftliche Konkurrenzen vor, die eine andere Aufmerksamkeit in Sachen Lohn und Arbeitsplatzattraktivität erfordern. Im Allgemeinen liegen der Landesregierung wenige Zahlen zu Beweggründen oder Merkmalen von beispielsweise Studienabbrechern vor. Ein Antrag der AfD-Fraktion, welche die Landesregierung zu einer umfangreicheren Erhebung aufforderte, stieß leider auf Ablehnung.

Dagegen wäre es nicht hilfreich, die falschen Lehrkräfte anzuwerben, statt Maßnahmenpakete mit größerer Genauigkeit anzufertigen. Die größten Mangelfächer sollten auch die meiste Aufmerksamkeit erhalten. Hierfür sind mehr Details notwendig.

Unter diesen Gesichtspunkten frage ich die Landesregierung:

  1. Wie hoch ist der aktuelle fachscharfe Bedarf an Lehrkräften in nordrhein-westfälischen Schulen? (bitte aufschlüsseln nach Fächern, Schulformen und Bedarfszahlen)
  2. Wie viele Stellen sind derzeit nicht bedarfsgerecht gedeckt? (bitte aufschlüsseln nach Fächern und Schulformen)
  3. Welche Prognosen über den fachspezifischen Lehrermangel bis in das Jahr 2030 liegen der Landesregierung vor?(bitte gleichartige Aufschlüsselung wie in den vorherigen Fragen)
  4. Wie begründet die Landesregierung die unterschiedlichen Bedarfsabdeckungen zwischen den Fächern, unter besonderer Betrachtung des Vergleichs der MINTFakultäten mit den philosophischen Fakultäten?
  5. Was unternimmt die Landesregierung fachspezifisch, um den dortigen Lehrer- und Anwärtermangel zu beheben?

Dr. Christian Blex


Kleine Anfrage 3846 (Drucksache 18/9289)

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