Bundesbildungsministerin Karin Prien schlug jüngst eine Migrantenobergrenze in Schulklassen von 30 bis 40 Prozent vor. Grund dafür soll die bessere und gleichmäßigere Verteilung von Schülern ohne Deutschkenntnisse sein, um ihnen und ihren Mitschülern bessere Lernchancen zu ermöglichen. Daran ist möglicherweise ersichtlich, dass die Bundesregierung nun die Nachteile der Hyperheterogenisierung erkannt hat. Brennpunktschulen und Schulen mit Anteilen von Schülern mit Migrationshintergrund von jenseits der 50 Prozent sind in Nordrhein-Westfalen keine Seltenheit mehr.

Sogenannte Willkommensklassen und ausgelagerte Sprachklassen, Nachmittagskurse und Förderklassen haben bereits gezeigt, dass es erfolgreiche Konzepte für die Schaffung von Grundlagen und Basiskompetenzen für Migranten geben kann, ohne eine Mehrbelastung für andere Schüler zu verursachen. Ob eine Quotierung von Migranten in Schulklassen tatsächlich die Lernerfolge steigern kann, muss im Schulalltag erst noch erprobt werden.

Die Bundesbildungsministerin kann jedoch solche Quoten nicht den Bundesländern vorschreiben. Die Kultusministerkonferenz könnte hierbei eine gemeinsame Lösung anstreben oder sich zumindest beim weiteren Vorgehen und hinsichtlich der Umsetzbarkeit verständigen. Abseits davon können sich die Bildungsminister der Länder oder die jeweiligen Parlamente natürlich auch eigenständig um derartige Konzepte bemühen. Eine umfangreiche Datengrundlage ist hierzu erforderlich.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

  1. Wie viele Schüler in Nordrhein-Westfalen beherrschen derzeit nicht die deutsche Sprache in Wort und Schrift bzw. gelten als ausschließlich fremdsprachig?
  2. Plant die Landesregierung eine neuartige Verteilung oder Quotierung, um die Unterrichtsqualität zu verbessern, indem betroffene Schüler im Spracherwerb unterstützt werden?
  3. Welche Konzepte wird die Landesregierung gegebenenfalls hierfür anwenden bzw. erarbeiten?
  4. Welche Erkenntnisse über Auswirkungen von Heterogenität im Klassenzimmer auf die schulischen Leistungen von Schülern liegen der Landesregierung vor?
  5. Plant die Landesregierung gesonderte Sprachklassen für Schüler ohne bzw. mit nur mangelhaften Deutschkenntnissen?

Dr. Christian Blex


Kleine Anfrage 6179 (Drucksache 18/15027)
Antwort der Landesregierung (Drucksache 18/15668)

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